Sonderausstellung „Licht und Weite- Norddeutsche Landschaften“

Ausstellung vom 09.03.2014 – 05.05.2014 im
Möllner Museum Historisches Rathaus

Die aktuelle Sonderausstellung wurde am 9. März von den eingeladenen Ausstellungsbesuchern mit großem Interesse und viel positiver Kritik bedacht. 55 Bilder aus der Kunstsammlung des NDR präsentieren eine kleine Kunstgeschichte Norddeutschlands.

Weite und Licht Bild

Einführung in die Ausstellung „Weite und Licht“ im Möllner Museum vom
9. März 2014 von Michael Packheiser

Sehr geehrter Herr Thormählen,b

liebe Gäste,

zur Eröffnung der Ausstellung möchte ich Sie ebenfalls ganz herzlich willkommen heißen.

Mein ganz besonderer Dank gilt Ihnen, verehrter Herr Dr. Großkopf, der der den Kunstbesitz des NDR  an der Rothenbaumchaussee in Hamburg aufgebaut hat und aus dessen Fundus  wir 55 Arbeiten für diese Ausstellung aussuchen konnten.

Sie haben nicht nur alle meine Ausleihwünsche erfüllt, sondern haben ihrerseits einige ihrer persönlichen Favoriten in diese Ausstellung mit eingebracht. Unser bisheriger Austausch darüber war ein persönliches Vergnügen für mich und hat mir einige der Künstler, die in dieser Auswahl vertreten sind, nähergebracht.

Wir haben uns bei der Durchsicht der Bestände auf Bilder und Graphiken aus Schleswig – Holstein, Hamburg und Mecklenburg – Vorpommern beschränkt; dieses geschah ausschließlich aus Platzgründen.

Der Ausstellungstitel „Weite und Licht“ charakterisiert die Idee, die als verbindendes Element hinter dieser Ausstellung steht , und, lieber Herr Thormälen, vielleicht ist dieser langjährig verwendete Ausstellungstitel vielleicht die einzig richtige Antwort des NDR auf die kürzlich entbrannte Diskussion in der norddeutschen Landespolitik über den „echten“, „wahren“ oder“ einzigen“ Norden; vielleicht sollten Sie den NDR – Titel den Streithähnen in den Landesregierungen als gemeinsame Formel vorschlagen….   

Diese Ausstellung ist nicht innerhalb eines definierten Zeitrahmens zusammengestellt worden; die Vorläufer gehen in die Frühzeit des damaligen NWDR zurück, der sich für Künstlerinnen und  Künstler aus dem damaligen Sendegebiet eingesetzt hat und eine Sammlung ihrer Werke aufbaute.

Sie haben, lieber Herr Großkopf, diesen Grundstock vorgefunden und seit Jahren weiter entwickelt. Das verbindende Element wart Ihr Interesse für bekannte zeitgenössische Künstler, aber auch für Neuentdeckungen, die insbesondere nach den Jahren der Wende ihre Sammlung erweiterten. So können wir uns freuen, dass die Kunstsammlung des NDR mittlerweile inhaltlich von den Worpswerder Malern über  den „Hamburgischen Künstlerclub“, Maler der in Dresden gegründeten Künstlervereinigung „Die Brücke“ bis zu den Malern und Graphikern der frühen Bundesrepublik reicht, die nach 1945 gerade auch das Sujet „Landschaftsmalerei  / Landschaftsdarstellung“ erfolgreich erneuert haben. Seit den frühen siebziger Jahren kommt eine neuer Aspekt hinzu: Die Gefährdung unserer Umwelt, ihre drohende Zerstörung. Der geschmähte Begriff „Heimat“,  abgetan als suspekter Ausdruck von emotionsgeladenem Kitsch in Kunst und Literatur und rückwärtsgewandter „Tümelei“, bekommt zunehmend eine wichtige und neue Bedeutung bei der Auseinandersetzung mit den Phänomenen von Globalisierung und Internationalisierung.

Sie, verehrter Herr Dr. Grosskopf, schreiben dazu  in Ihrem Vorwort des Sammlungskataloges folgendes:

„Beide Trends führen dazu, dass die traditionellen Lebensweisen undMilieus zerbröckeln. Viele Menschen beschleicht da der oft nur unbewusste Verdacht, verloren zu gehen. Es fällt Ihnen schwer, sich in so viel Unübersichtlichkeit zurecht zu finden. Das ist einer der Gründe, warum „Heimat“ immer wichtiger wird“.

Diese Ausstellung kann selbst in dem beschränkten Rahmen von ca. 55 Bildern zeigen, wie die Bildende Kunst den Wandlungsprozess begleitet hat.

Am Anfang der Ausstellung stehen Arbeiten, die im Geiste des deutschen Impressionismus entstanden sind. Sie zeigen ländliche Idyllen, Gärten oder eine Kuhherde im frischen Grün eines Buchenwaldes bei Ahrenshoop. Marie Hagers Bild „Herbstliche Allee in Dargun“ zählt sicherlich zu einem der eindrucksvollsten Arbeiten, die Eingang in diese Sammlung gefunden haben. Die Künstlerin,  1872 in Penzlin geboren, starb 1947.

Es ist aus heutiger Sicht kaum vorstellbar, wie teilweise ablehnend der akademische Kunstbetrieb  auf die künstlerische Darstellung dieser alltäglichen Szenen reagierte und wie sich, ähnlich wie bei Caspar David Friedrichs „Mönch am Meer“  1810 das Publikum entrüstet zeigte. Alfred Lichtwark, erster Direktor der Hamburger Kunsthalle förderte gerade deshalb die jungen Maler, von denen sich einige für ein paar Jahre im „Hamburgischen Künstlerklub“ trafen und gemeinsam ausstellten.

Norddeutschland, und besonders Schleswig – Holstein, rückte in den Jahren vor dem 1. Weltkrieg bei den expressionistischen  Malern  in den Fokus der künstlerischen Beschäftigung mit dem Thema Landschaft. Nolde, Barlach und Rohlfs waren die hiesigen Protagonisten, die Mitglieder der Dresdner Künstlervereinigung „Brücke“ kamen immer wieder zum Malen nach Schleswig – Holstein und blieben gleich für immer. Erich Heckel, Mitglieder der Brücke lebte zwischen 1919 bis 1944 regelmäßig in dem kleinen Ort Osterholz an der Flensburger Förde. Sein Aquarell „Regen über der Förde“ von 1935 ist vielleicht eines der wertvollsten Bilder dieser Ausstellung.  In den entfernten Regionen Norddeutschlands gelang es einigen Künstlern, sich den Einschränkungen des NS – Kulturbetriebs zu entziehen. Ivo Hauptmann, Sohn des Dramatikers Gerhard Hauptmann zeigt eine Elbansicht bei Teufelsbrück, die erst im Laufe von 20 Jahren zwischen 1928 und 1948 fertiggestellt werden konnte.

Die Umbrüche des zweiten Weltkriegs und die Befreiung des Kunstbetriebs nach 1945 sind vielleicht die markanten Schwerpunkte in der Kunstsammlung des NDR.

Die Küstenregionen an Nord- und Ostsee blieben im Fokus der Landschaftsmalerei. Die reduzierte Farbigkeit einer Wattlandschaft von Fritz Kronenberg, 1951 entstanden, lässt den Übergang zwischen Land und Horizont fließend werden.

 Carl Hinrichs, 1990 in Schwerin gestorben, schafft es auch für das mecklenburgische Binnenland, die Weite des Horizonts darzustellen. Über der Landschaft wölbt sich eine weiter Himmel, aber es gibt auch, wie bei Caspar david Friedrich etwas Dunkles, Drohendes. Klare Dimensionen lösen sich zugunsten von Farbflächen auf, wie bei einer1947 entstandenen Elblandschaft  von Willy Breest oder wie bei Klaus Fußmann, Jahrgang 1938, der aktuell  der bekannteste Darsteller gemalter und gedruckter norddeutscher Landschaften ist.  Selten ist es eine fast südländische Farbigkeit, die die Maler in ihren Bildern festhalten, häufig ist eine eher gedämpfte Farbigkeit wie den Elbbildern des Hamburgers  Tom Hops. Sie zeigen uns vertraute Motive und haben wie viele andere Bilder der Ausstellung einen eigenartigen Ausdruck.

Vielleicht ist es die Suche nach dem  letzten Geheimnis,  nach dem Unbewussten, was Maler und Graphiker immer wieder veranlasst, die manchmal doch auch  unspektakuläre Landschaft des Nordens als künstlerische Herausforderung zu suchen. Horst Janssen, Schüler von dem ebenfalls hier vertretenen Alfred Mahlau, ist so ein Fall.

Der Ausdruck seiner Radierungen ist häufig stark verdichtet, mehrschichtig, häufig skurril.  Fabelhafte Wesen und Pflanzen beherrschen seine künstlerischen Welten, fast so wie die Wesen in den norddeutschen Sagensammlungen von Sammlern wie Richard Wossidlo.

Sie tauchen auch in den neueren Bildern der Sammlung auf; etwa in dem Bild „Rapsfeld“ der 1942 in Potsdam geborenen Malerin Sabine Franek.

Gelegentlich kann diese harmlose Landschaft sogar surreal wirken. Ein großformatiges Gemälde von Ernst Marow, 1975 entstanden, zeigt einen Acker, der, vom Vollmond bescheinen, wie ein braunes, tosendes Meer erscheint. Nur im Ausschnitt am Horizont angedeutet, schiebt sich die Silhouette eines Hochspannungsmastes in das Bild und erinnert an ganz aktuelle Diskussionen um unser Fortleben in einer im technischen Wandel befindlichen Gesellschaft.

Und natürlich freuen wir uns, dass wir in unserer Ausstellung auch ein Aquarell von Günter Grass zeigen können. Von seinem Haus in Behlendorf hat er unsere schöne Landschaft am Kanal gemalt…

 

Michael Packheiser M.A., im März 2014